Ein Museum entsteht. Wie alles begann
2015 stand vor einem Wiener Schulgebäude ein Container, gefüllt mit Wandkarten, Präparaten und Experimentiergeräten. Auf die Frage, was damit geschehen solle, lautete die Antwort: „Sie werden entsorgt.“ Die Gegenfrage – „Darf ich mir ein paar Dinge heraussuchen?“ – markierte den Anfang dieser Sammlung.
Inzwischen sind rund 5.000 Objekte zusammengekommen. Ab Herbst 2026 finden sie in Krems an der Donau ein neues Zuhause. Die Eröffnung ist für das Frühjahr 2027 geplant.
Objektschau – was unser Museum einzigartig macht
Was bei uns steht, wurde einst geschaffen, um hergezeigt und betrachtet zu werden. Im 19. Jahrhundert nannte man das Anschauungsunterricht. Dinge sollten nicht nur beschrieben, sondern sichtbar und begreifbar gemacht werden.
Auch wir möchten vor allem eines ermöglichen: das Schauen. Zuschauen, Anschauen, Hinschauen – und manchmal auch Wegschauen. Denn jedes Objekt erzählt eine eigene Geschichte. Und nicht alles, was es zu sehen gibt, erschließt sich auf den ersten Blick.
Das 19. Jahrhundert war eine Zeit des wissenschaftlichen Aufbruchs. Die Welt wurde neu vermessen, untersucht und entdeckt. Doch wie macht man etwas sichtbar, das sich dem unmittelbaren Blick entzieht? Wie lässt sich ein empfindliches Naturgebilde bewahren, ein innerer Körperbau erklären oder ein komplexer Zusammenhang begreifbar machen?
Aus solchen Fragen entstanden außergewöhnliche Objekte. Künstler, Handwerker und Wissenschaftler suchten nach Formen und Materialien, mit denen sich ihre Erkenntnisse vermitteln ließen. Sie formten Holz, Gips und Pappmaché, experimentierten mit neuen Darstellungsweisen und übersetzten ihre Beobachtungen in Modelle. Das Lebendige wurde nachgebildet, das Vergängliche sollte Bestand haben. Aus wissenschaftlicher Neugier und handwerklicher Erfindungskraft entstanden Dinge, die nicht nur etwas zeigten, sondern eine neue Art ermöglichten, die Welt zu verstehen.
Heute laden diese Objekte zu einem weiteren Blick ein. Wir entdecken ihre Formen, ihre Materialien und die Kunstfertigkeit, mit der sie geschaffen wurden. Wir fragen uns, was sie zeigen sollten, wie sie entstanden sind und was sie uns heute noch erzählen können.
Zweimal täglich, an jedem Öffnungstag, holen wir ausgewählte Objekte hervor. Wir öffnen, bewegen und untersuchen, was einst eigens für den Anschauungsunterricht geschaffen wurde. So begegnen wir nicht nur den Dingen selbst, sondern auch den Ideen, die in ihnen Gestalt angenommen haben.